ACHTUNG: Im vergangenen Herbst hat ein Sturmtief erhebliche Schäden in den Tälern und Wäldern des Trentino verursacht: auf zahlreichen Wegen sind die Sturmschäden noch immer nicht oder nur zum Teil beseitigt. Wir empfehlen Ihnen deshalb, sich vor der geplanten Wanderung mit dem örtlichen Fremdenverkehrsverein oder der lokalen Sektion des Trentiner Bergsteigervereins SAT in Verbindung zu setzen, und Informationen über die Beschaffenheit des Weges einzuholen.
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Ausgangspunkt: Cueli (1139 m)
Endpunkt: Werk San Sebastiano (1445 m)
Gehzeit: 3 Stunden
Höhenunterschied: ca. 300 m
Schwierigkeit: leicht
Beste Jahreszeit: Frühjahr bis Herbst
Das Werk San Sebastiano ist auf der vom Passo Sommo nach Fiorentini führenden Landstraße (Nr. 142), leicht mit dem Auto zu erreichen. Hier wird aber ein alternativer Zugang beschrieben, der dem Friedensweg folgt.
TOURBESCHREIBUNG
Vom Ort San Sebastiano (man parkt neben dem Friedhof) folgt man nach Überqueren der Landstraße dem Weg „Sentiero delle Télder“, der als Ziel Forte Cherle ausweist. Der Weg führt in den Wald, bevor man das Dorf Tézzeli erreicht. Man steigt nun zum Asticobach ab (in der Nähe befand sich ein Kalkofen zum Brennen von Kalk). Es geht an der Sägerei der „Mein“ vorbei (eine wasserbetriebene Sägerei nach venezianischem Muster, die 1880 erbaut wurde) und erreicht San Fermo. Dieser Flurname erinnert an ein Köhlerdorf, das 1752 im Rahmen eines Landstreites mit der benachbarten Talgemeinschaft von Folgaria zerstört wurde. Der Weg führt mitten durch den Wald bergauf und man gelangt in die Nähe des ehemaligen Soldatenfriedhofes des Werkes. Eine Stele, die von der Werksbesatzung errichtet wurde, erinnert an die gefallenen Kameraden in diesem Abschnitt. Die hier bestatteten Soldaten wurden nach dem Krieg exhumiert und auf dem Soldatenfriedhof von Folgaria begraben.
Bevor man in Richtung Sperrwerk weitergeht, empfiehlt es sich die Landstraße zu überqueren und auf der sog. Kaisertreppe hinaufzusteigen. Die Treppe wurde 1917 zu Ehren Kaiser Karls errichtet, als er sich bei einem Frontbesuch hier aufhielt. Über diese Treppe mit ihren ungefähr 200 Steinstufen gelangt man zum Feldlazarett im Val Fredda, das sich etwas oberhalb befindet. Von dem einstigen Lazarett sind nur die Fundamente der Mauern erhalten geblieben. Es wurde in unmittelbarer Frontnähe erbaut, in einer von der Front abgewandten Lage und sicher vor feindlichem Artilleriebeschuss.
Nachdem man die Besichtigung der Ruinen des ehemalige Feldlazaretts abgeschlossen hat, kehrt man auf dem gleichen Weg wieder zurück oder folgt der bequemem Forststraße, die sich langsam den Hang hinab zieht, bis man wieder beim Soldatenfriedhof anlangt. Der vom Friedhof wegführenden Straße folgt man zunächst durch ein Waldstück, bevor man nach ca. 15 Minuten das Werk San Sebastiano/Cherle auf 1445 m Höhe erreicht. Der ursprüngliche Name Cherle wurde in San Sebastiono umgewandelt, um Verwechslungen mit dem ebenfalls österreichisch-ungarischen Werk Verle (am Passo Vezzena gelegen) zu vermeiden. Es wurde zwischen 1910 und 1914 errichtet und bestand aus zwei Baublöcken, die mit einem Korridor miteinander verbunden waren: den Kasematten, in denen die Unterkünfte der Mannschaft lagen und dem Batterieblock. Die Anlage war von einem Werksgraben umgeben, welcher von einer Grabenstreiche (auch als Kontereskarpenkoffer bezeichnet) und dreireihigen Drahtverhauen geschützt war. Das Werk und seine Besatzung waren so eingerichtet, das man über 30 Tage in vollständiger Isolierung ausharren konnte, ohne auf die Zufuhr von Verpflegung und Munition angewiesen zu sein. Das Werk stand bereits in den ersten Kriegstagen unter heftigem Beschuss der italienischen Batterien von Forte Campomolon, wie man auch heute noch an den in den umliegenden Wiesen sichtbaren Granattrichtern erkennen kann. In der Nachkriegszeit wurde es beim Abtragen der in der Abdeckung verarbeiteten Eisenteile stark beschädigt.
Trotz einer umfangreichen Restaurierung ist der Großteil des Werkes nicht mehr begehbar. Vom Schutt wurden der Werksgraben und einige Innenräume befreit. Über enge Korridore gelangt man auf das ehemalige Verdeck, auf dem sich einst die Panzerkuppeln befanden. Verschiedene Hinweistafeln informieren über geschichtliche Abläufe und über den Bau der Anlage. Wenn man vom Werk in Richtung der Hochfläche von Lavarone blickt, kann man die optische Signalstation auf dem Monte Rust, das Werk Gschwent-Forte Belvedere, den Posten Vezzena, Werk Lusern und das italienisch Werk Verena erkennen. Vor kurzem wurden um das Werk herum Scheinwerfer installiert, mit denen es nachts angestrahlt wird.
Der Rückweg erfolgt auf der beim Hinweg benutzten Strecke.
LITERATURHINWEISE
Deutschsprachige Literatur
Erwin Anton Grestenberger: k.u.k. Befestigungsanlagen in Tirol und Kärnten 1860-1918, Wien, 2000
Rolf Hentzschel: Österreichische Gebirgsfestungen im Ersten Weltkrieg. Die Hochebenen von Folgaria und Lavarone, Bozen, 1999.
Rolf Hentzschel: Festungskrieg im Hochgebirge. Der Kampf um die österreichischen und italienischen Hochgebirgsforts in Südtirol im Ersten Weltkrieg, Bozen, 2009.
Hans-Dieter Hübner: Unterwegs auf historischen Spuren. Wanderungen und Exkursionen zu den Schwerpunkten der österreichisch-ungarischen Südtiroloffensive 1916. Band 2 Auf den Hochebenen von Folgaria und Fiorentini, im Laghibecken und im Posinatal, Norderstedt, 2013.
Wilhelm Nußstein: Militärgeschichtlicher Reiseführer Dolomiten. Österreichische Festungen in Oberitalien. Von den Sieben Gemeinden bis zur Flitscher Klause, Hamburg, 1997.









