ACHTUNG: Im vergangenen Herbst hat ein Sturmtief erhebliche Schäden in den Tälern und Wäldern des Trentino verursacht: auf zahlreichen Wegen sind die Sturmschäden noch immer nicht oder nur zum Teil beseitigt. Wir empfehlen Ihnen deshalb, sich vor der geplanten Wanderung mit dem örtlichen Fremdenverkehrsverein oder der lokalen Sektion des Trentiner Bergsteigervereins SAT in Verbindung zu setzen, und Informationen über die Beschaffenheit des Weges einzuholen.
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Bereich: Val Rendena
Ausganspunkt: Pian della Sega, 1260 m
Endpunkt: Pian della Sega 1260 m, höchster Punkt Corno di Cavento 3405 m
Gehzeit: 2 Tage
Höhenunterschied: 2145 m
Schwierigkeit: Gipfelbesteigung mit Gletscherquerung
beste Jahreszeit: Sommer
Übernachtungs- und Einkehrmöglichkeit: Rifugio Dante Ongari – Carè Alto (Tel. 0461 981871)
Auf zwei Tage angelegte Bergtour, die mit Hochgebirgsausrüstung und einer im Hochgebirge erfahrenen Person begangen werden sollte. Die Exkursion führt in eine der suggestivsten Szenarien, in denen sich der sog. Weiße Krieg abgespielt hat. So war der Corno di Cavento und seine im Laufe des Krieges angelegte und erstaunenswert gut erhaltene Gipfelkaverne, eine zwischen Italienern und Österreichern heiß umkämpfte Bergspitze.
Von den Österreichern in der Nacht auf den 30. April 1916 besetzt, fiel die Spitze am 17. Juni 1917 in italienische Hände. Bei dieser Aktion verlor der österreichische Oberleutnant Felix Wilhelm Hecht das Leben, dessen Tagebuch ein fundamentales Zeitzeugnis über die Ereignisse auf dem Corno di Cavento darstellt. Genau ein Jahr danach – am 15. Juni 1918 – gelang es k.u.k. Truppen den Gipfel zurückzuerobern, nachdem sie aus einem langen Eisstollen heraus stürmten, den sie fast unter die italienische Stellung vorgetrieben hatten und die Italiener mit diesem Angriff überraschten. Die Antwort der Alpini ließ allerdings nicht lange auf sich warten und einen Monat später am 19. Juli konnten sie den Gipfel endgültig wieder in ihren Besitz nehmen.
TOURBESCHREIBUNG
Der erste Tag sieht die Annäherung an den Gletscher und die Übernachtung im Rifugio Carè Alto vor.
Nachdem man den Ort Borzago im Val Rendena erreicht hat, folgt man den Wegweisern in Richtung Val Borzago und Rifugio Carè Alto. Bei der Örtlichkeit „Pian della Sega“ parkt man schließlich das Auto.
Von hier aus steigt man auf Weg Nr. 213 1.200 Höhenmeter auf. Nach ungefähr 20 Minuten erreicht man die Ruinen der Malga Coel di Pelugo (1423 m) und nach weiteren 30 Minuten die Ponte Zucal (1638 m) und überquert den Bach „Bedù di Pelugo“ auf einer fast waghalsigen tibetanischen Brücke. Der Weg führt steil bis zum Rifugio Dante Ongari – Carè Alto weiter, wo man übernachtet. Beim Rifugio liegt die von russischen Kriegsgefangenen während des Krieges errichtete Kapelle, die man besichtigen kann. Man kann aber auch in ca. einer Stunde bis zur „Bocchetta del Cannone“ auf 2580 m aufsteigen.
Am zweiten Tag heißt es vor Tagesanbruch aufzustehen, da allein der Aufstieg zum Corno di Cavento zwischen 3 und 4 Stunden dauert. Die Gehzeiten variieren und hängen in diesen Höhen von der persönlichen Fitness und den Verhältnissen ab, die man auf dem Gletscher vortrifft.
Vom Rifugio folgt man dem Weg Nr. 215, der mit dem Naturpfad „Marchetti“ und dem Friedensweg parallel verläuft. Es geht zunächst auf einige während des Ersten Weltkrieges in den Fels gehauene Stufen bergab. An verschiedenen Stellen quert man immer wieder Bachläufe, an der schwierigsten Furt sind Stahlseile als Hilfe angebracht.
Man beginnt in Richtung „Sass de la Stria“ (den man linker Hand lässt) aufzusteigen und erreicht die Sella di Niscli (2878 m). In dieser Gegend liegen zahlreiche kleinere Seen – die sog. Laghi di Pozzoni . Man folgt den Steinmännchen, die auf den vom Gletscher blank geschliffenen Tonalitplatten aufgeschichtet sind.
Die Aussicht auf den Carè Alto, Gobbe del Folletto und Denti del Folletto bis zum Corno di Cavento ist grandios. Ab hier beginnt die Gletscherbegehung und ein Weitergehen ist nur angeseilt mit entsprechender Ausrüstung (Klettergurt, Steigeisen, Eispickel) möglich.
Man steigt auf dem Gletscher bis unterhalb des Corno di Cavento auf, den man nach Ablegen der Steigeisen und einer einfachen Kletterei auf Fels bis zum Eingang des von der österreichisch-ungarischen Truppen erbauten Gipfelkaverne besteigt.
Die Existenz dieser Kaverne war unter Historikern und Alpinisten bekannt, sie wurde aber erst vor einigen Jahren ausfindig gemacht. Ab 2007 wurde sie dank des Denkmalschutzamtes der Autonomen Provinz Trient, dem Hydrographischen Amt, dem Trentiner Bergsteigervereins SAT mit seinem historischen Komitee und dank der Hilfe von Bergführern restauriert. In der Kaverne wurde Feldbetten, eine Telefonzentrale, ein Ofen, Holz, Schlafsäcke, Uniformen, Munition und Gegenstände des täglichen Gebrauchs gefunden. Seit dem Sommer 2011 steht sie nach Zustimmung der zuständigen Behörden auch für geführte Besichtigungen offen. Diese ist nur nach vorheriger Reservierung beim Trentiner Bergsteigerverein (Società degli Alpinisti Tridentini Tel. 0461 981871) möglich.
Auf der zum Val di Fumo abfallenden Hangseite kann man auf einem kurzen gesicherten Steig zum Eingang (abgesperrt) der österreichischen Kaverne gelangen und dort von der Nähe die Bergstation der italienische Seilbahn betrachten, die hier vom Pian delle Lobbie heraufführte. Auf dem Gipfel steht ein Kreuz, das mit italienischen und österreichischen Stahlhelmen, mit Stacheldraht und mit anderen Kriegsrelikten, die man in der Umgebung gefunden hat, geschmückt ist.
Der Rückweg erfolgt auf dem beim Anstieg eingeschlagenen Weg, dabei steigt man insgesamt 2.200 m an einem Stück ab.
LITERATURHINWEISE
Deutschsprachige Literatur
Heinz von Lichem: Gebirgskrieg 1915-1918 Band 1, Ortler, Adamello, Gardasee, Bozen, 1985.
Dante Ongari (Hg.) Felix Hecht: Kriegstagebuch vom Corno di Cavento, Calliano, 1983.
Italienischsprachige Literatur
Dante Ongari, La guerra attorno al monte Carè Alto, Editrice Rendena, S.A.T. sezione Carè Alto, Vigo Rendena, 2009






